• Brad Clifford

Interview: Brad Clifford

Riffs, Punk Rock und Welttourneen

07.07.2015 - Marshall LAW  - 

Marshall: Hallo Brad, bitte sag uns erst einmal etwas zu deiner Bio.

Brad Clifford: Ich bin Bradley Clifford, aufgewachsen in Chicago und lebe zur Zeit in Milwaukee, Wisconsin, USA. Ich war Gitarrist bei Poison the Well und ein paar anderen Bands. Ich spielte und tourte zehn Jahre, bevor ich Techniker wurde. Seit 2010 arbeite ich als Gitarren-Techniker für The Gaslight Anthem, Against Me!, Taking Back Sunday und Circa Survive.

Marshall: Wann hast du zum erstem Mal mit einem Marshall-Setup gearbeitet und bei welcher Band war das?

Brad Clifford: Der ERSTE Marshall, mit dem ich gearbeitet habe, war mein eigener. Mein allererster Amp war ein Marshall 8100 Valvestate-Topteil auf einer 1960 B. Der war laut und hatte richtig Druck und ich liebte ihn genauso sehr, wie meine Eltern es hassten, wenn sie ihn im Keller brüllen hörten!

Marshall: Ok, und was war das lauteste Rig, mit dem du je gearbeitet hast?

Brad Clifford: Eine aufgedrehte Marshall-Wand reißt dir sicher am besten den Kopf ab, aber wenn‘s um einzelne Amps mit Box geht, dann war das ein ’72er Major über eine ’73er Marshall 8 × 10". Als ich den aufgerissen hab‘, musste ich einfach nur noch lachen - und jedem in Hörweite stand der Mund offen, mit ungläubigem Blick. Heftig.

Marshall: Erzähle uns doch einmal von deinem besten und von deinem schlechtesten Gig.

Brad Clifford: Mein bester Gig war wohl der mit Gaslight Anthem im PNC-Arts-Center in New Jersey. Das war das größte Heimspiel, das die Jungs je hatten, dort, wo die meisten von ihnen aufgewachsen waren und ihre Idole haben spielen sehen. Alles lief glatt, wir hatten einen super Sound und es war eine reine Freude ein Teil des Ganzen zu sein. Der schlechteste Gig . . . also ich will hier keinen Mist erzählen . . . ABER eine meiner miesesten Shows war wohl eine in Idaho, bei der ich selber ins Publikum bin und jemanden packen musste, um ihm draußen klar zu machen, dass er ein Arschloch ist und den Auftritt für Band und Publikum gleichermaßen vermiest. Und dann fiel ein paar Songs später auch noch der Strom komplett aus. Die Drums klangen aber noch geil. HA!

Marshall: Ok - Themenwechsel: Gibt es ein Besonderes Marshall-Rig, mit dem du zur Zeit arbeitest?

Brad Clifford: Ich stehe einfach auf die alten Boxen mit geflochtenem Bespannstoff und außergewöhnlichen Farben und Designs. Ich habe einen ziemlich einzigartigen ’78er 2204 JMP in beige, der klingt fantastisch, und noch ein paar andere kleine Marshall- Schmuckstücke, die ich im Laufe der Zeit angesammelt habe.

Marshall: Welches ist denn dabei dein liebstes Marshall-Topteil?

Brad Clifford: Es fällt mir nicht ganz leicht, nur eines auszusuchen. Es könnte mein ’78er JMP sein, allerdings dicht gefolgt vom 2061 X-Top. Das Ding macht einfach schlichten, perfekten Ton für jede Rock-Gitarre.

Marshall: Mit wem hast du bisher am liebsten gearbeitet - oder einfach nur abgehangen?

Brad Clifford: Durch meinen Job komme ich mit einigen Leuten zusammen, die ich wirklich schon in jungen Jahren bewundert habe und von denen ich als Kind Poster an der Wand hängen hatte. Und fast jedes Mal bin ich wieder verblüfft, dass es überhaupt NICHT seltsam ist, mit denen zusammen zu sein. James Hetfield, Eddie Vedder, Dave Grohl, etc. All‘ diese Leute sind genauso zugänglich wie die Roadies. Sie sind eben einfach nur ganz normale Leute, und das schätze ich sehr.

Marshall: Abgesehen von den aktuellen Künstlern, mit denen du gearbeitet hast: Wer ist dein Lieblings-Gitarrist bzw. welches ist deine Lieblings-Band?

Brad Clifford: Slash hab‘ ich immer bewundert. Es kommt nicht so oft vor, dass ein Gitarrist mit einen so typischen Sound spielen kann. Er ist einer von denen, die du sofort wiedererkennst, egal ob du ihn auf den Aufnahmen seiner Band hörst oder ob er ein Gast-Solo bei einer anderen spielt. Er hat einen unverkennbaren Stil und Sound entwickelt, und das ist für jeden Musiker eine große Leistung, denke ich.

Marshall: Ok: Gewissensfrage: JCM oder Plexi?

Brad Clifford: Das ist so schwierig, ich habe einige unglaubliche 800er und Plexis gespielt, in die ich mich sofort verliebt habe. Insgesamt muss ich mich wohl für Plexi entscheiden, einfach schon weil ich einen ganz Speziellen davon besitze, den ich sicherlich bis zu meinem letzten Tag behalte.

Marshall: Und welchen modernen Marshall magst du?

Brad Clifford: So viele unglaubliche Amps kommen von den Bändern, aber mein absoluter Favorit aus laufender Marshall-Produktion ist auf jeden Fall der 1974X Combo. 18 Watt, handverdrahtet, laut genug für jeden Einsatz und die einfache Bedienung.. das macht es einfach unmöglich, den Amp schlecht klingen zu lassen.

Marshall: Hast du Mods in deinem Rig?

Brad Clifford: Abgesehen von ausgetauschten Lautsprechern in einigen der Combos sind die einzigen veränderten Marshalls meine ’72er Majors, bei denen ein Master-Volume-Regler eingebaut wurde, und ich habe noch einen ’76er JMP mit eingebautem Push-Pull-Master-Volume-Regler mit schaltbaren 10 db Extra-Schub.

Marshall: Was ist die Marshall-Geheimwaffe in deinem Setup?

Brad Clifford: Ganz sicher ist der 1974X die Geheimwaffe. Warum auch immer: Kaum jemand erwartet, solch einen 1x 12" Combo bei mir zu sehen, oder erwartet davon solch klangliche Vielfalt, Lautstärke und Klarheit. Der Amp benötigt kaum Wartung und liefert immer super Sound - was will man mehr?

Marshall: Zu guter Letzt: Hast du für uns noch irgendwelche lustigen Marshall-Geschichten?

Brad Clifford: Ja: Neulich hingen ein paar Leute bei mir ‘rum. Irgendwann nahm einer ‘ne Gitarre und ging damit zu dem erst besten Marshall, der da rum stand. Er schaltet ihn ein, aber die Netzleuchte ging nicht an. Er dreht sich um und sagt „Hey Mann, das Ding ist kaputt!“ Wir starren ihn an und lachen uns tot. Ich geh‘ zu ihm, mach‘ die Tür auf, schnapp‘ mir ‘ne kühle Coke und sage „Funktioniert perfekt.“ Das ist der beste Marshall-Kühlschrank aller Zeiten. Im Ernst - das ist genau so passiert!

Marshall: Danke für‘s Chatten mit uns, Brad!

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