Fragen zu Akustikverstärkern

Warum kann ich nicht einfach einen normalen E-Gitarrenverstärker für meine Akustikgitarre verwenden?

Obwohl von einigen Usern in der Praxis schon oft einmal E-Gitarrenverstärker für die Akustikgitarre benutzt werden, möchten wir deutlich davon abraten, dies zu tun!

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  1. Die Eingangssektion eines professionellen Acoustic Amps kann eine extrem große Bandbreite von Signalpegeln verarbeiten. So werden z.B. passive Piezotonabnehmer selbst ohne Aktivelektronik von ihnen locker verarbeitet, während der Pegel dieser Tonabnehmer für einen E-Gitarrenverstärker einfach zu klein ist. Noch wichtiger ist jedoch der umgekehrte Fall: Ist eine Akustikgitarre mit einer Aktivelektronik ausgerüstet, so kann ihr Ausgangspegel so hoch sein, dass unerwünschte Verzerrungen am Verstärker auftreten. Dabei können schlimmstenfalls die hohen Ausgangspegel mancher interner Akustikgitarren-Preamps bei einige E-Gitarren Verstärkern sogar zur Zerstörung der Eingangsstufe des Verstärkers führen! Auch wenn dies vielleicht Ausnahmefälle sind - die dabei entstehenden Kosten übersteigen die Mehr-Investition für einen Akustikamp bei weitem...
  2. Akustikinstrumente neigen deutlich stärker zu Feedbacks als E-Gitarren. Daher sind professionelle Akustikverstärker, wie z.B. der Marshall AS50R oder AS100D mit speziellen Tools ( Notchfilter, Phase-Shift ) ausgestattet, welche helfen, derartige Feedbacks zu vermeiden. E-Gitarrenamps betonen nun aber einmal mit ihrem Grundsoundcharakter gerade diese Feedback-Frequenzen. Treten beim Anschluss einer Akustikgitarre an einem E-Gitarrenverstärker solche Feedbacks (z.B. in der Resonnanzfrequenz der Akustikgitarren-Decke...) auf, so kann dies zu Beschädigungen der Endstufe oder des Lautsprechers des verwendeten Verstärkers führen.
  3. Bei vorsichtig eingestellter Lautstärke an Akustikgitarre am leise eingestellten E-Gitarrenverstärker ist zwar das Gitarrensignal hörbar - es wird aber nie der natürlich Klang des Akustikinstrumentes zu hören sein. Marshalls Acoustic Soloist Amps übertragen das Signal dank ihres Schaltungsaufbaus, der speziellen Basslautsprecher und Hochtöner ähnlich linear, wie eine Hi-Fi Stereoanlage - dadurch werden Feedbacks vermieden und das Instrument so wiedergegeben, wie man es hören möchte. Ein E-Gitarrenverstärker gibt dagegen nicht annähernd die Bass- und Hochtonbereiche wieder, welche den ganz eigenen Charakter akustischer Instrumente ausmachen.

Hinweis: Eine kleine Ausnahme bilden die Marshall AVT-Modelle mit "Acoustic Simulator" Schaltkreis. Diese Schaltung optimiert den Frequenzgang des Gerätes für akustische Instrumente - weshalb inzwischen einige findige Gitarristen diese Geräte problemlos mit ihrer Akustikgitarre verwenden. Sie profitieren dabei von der lineareren Wiedergabe des Acoustic Simulators (und der damit verbundenen Verminderung von Rückkopplungen).

Der Simulationsmodus ist allerdings ursprünglich dafür gedacht, den Klang einer E-Gitarre so umzuwandeln, dass sie den typischen Charakter einer Akustikgitarre erhält - z.B. um während eines Gigs für die Balladen nicht die Gitarre wechseln zu müssen. Einen Acousticverstärker mit Notchfilter, Phasenschaltung und optimierter Eingangssektion kann und will Marshall mit einer solcher Schaltung nicht ersetzen. Aus den unter 1.) und 2.) angegebenen Gründen ist eine solche Anwendung den Profis vorbehalten, die sich genau mit den Ausgangspegeln ihrer Instrumente und der optimalen Bühnenpositionierung der Gitarre zum Monitoring auskennen... 

Ich möchte anfangen, E-Bass zu spielen. Kann ich einen Bass über meinen Akustikverstärker laufen lassen, ohne diesen zu beschädigen? Ich kann mir schon vorstellen, dass ein Bass über einen Akustikgitarrenverstärker nicht gut klingt, aber ...

Leider können wir diese Frage nicht uneingeschränkt mit "ja" beantworten, denn es kommt darauf an, wo und wie der Amp benutzt wird:

Wenn es nur um das Üben zu Hause geht - und das in moderater Lautstärke - kann mit absoluter Sicherheit nichts passieren. Wird dagegen der Akustikamp bei dieser Anwendung häufig wieder sehr weit aufgedreht (z. B. für Übungsraum bzw. Bühneneinsatz), so ist mit einem schnellen Verschleiß der Speaker zu rechnen. Hintergrund: Bei guten Akustikverstärkern wie dem AS50D sind die Lautsprecher für ein möglichst natürliches Klangbild akustischer Instrumente sehr "weich aufgehängt", d.h. ihre Sicke ist extrem flexibel. Daher klingen sie bei richtiger Einstellung der Klangregelung auch für E-Bässe verblüffend gut. Allerdings kann bei übermäßiger Auslenkung und ungünstigen Umweltbedingungen (hohe Luftfeuchte, wechselnde Temperaturen) solch ein Speaker schneller verschleißen, als der eines "richtigen" Bassamps. Die hohe Auslenkung kann man meist gut hören, da das Klangbild wegen der dann auftretenden Partialschwingungen im gleichen Zuge undifferenziert und "brüllig" wird. Folglich hört man, wenn die Speaker zu sehr gefordert werden, und kann die Lautstärke zurücknehmen. Es sollte bei der Verwendung eines E-Basses Verzerrungen und ein Betrieb unter Vollast vermieden werden - auftretende Verzerrungen könnten nämlich im Extremfall den Hochtöner des Acousticamps überlasten. Bei Akustikbässen wird in der Regel der Naturklang bevorzugt - daher sind für diese unsere Acousticcombos die perfekten Partne

Ich singe über einen Marshall Akustikverstärker. Ich habe ein Lied, bei dem ich das Mikrophon zuhalte und durch den verbleibenden kleinen Spalt singe. Das klingt sehr verzerrt - ist auch so gewollt. Schade ich damit dem Verstärker?

Nein. Grundsätzlich könne starke Verzerrungen durchaus einmal einen Hochtöner "abschiessen", da das "Rechtecksignal" ähnlich wie eine Gleichspannung zu Überlastung führen könnte. Allerdings betrifft dies in erster Linie eine echte Übersteuerung des Signals.

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