Röhrentechnik

Wie kann ich Röhrenverschleiß minimieren?

Bei jedem Röhrenverstärker immer erst den NETZSCHALTER einschalten, bevor Du etwa 2 Minuten später STANDBY aktivierst. So erreichen die Röhren ihre optimale Betriebstemparatur, bevor sie belastet werden.

Was muß ich vor dem Transport eines Röhrenamps beachten?

Lasse einen "warmgespielten" Röhrenamp vor dem Transport erst vollständig abkühlen, da sonst die Erschütterungen zu Defekten in den Röhren führen könnten.

Was ist los, wenn mein Röhrenamp bratzelt?

Stelle beim Röhrenwechsel stets sicher, daß die "Steckfüße" der Röhren und die Röhrensockel gerade, sauber und keinesfalls oxydiert sind. Wenn die Röhre nicht perfekt in den Sockel passt, muß die Röhre oder der Sockel oder beides ausgetauscht werden.

Der Netzspannungswahlschalter meines Verstärkers hat die Funktion 120V/220V/240V. Früher war das ja bekanntlich kein Problem, aber seit der Spannungserhöhung frage ich mich nun 220V oder lieber 240V einstellen?

Seit dem Jahr 2009 an darf die Netzspannung in unserem Netz von 230 V um ±10 % abweichen, damit sind für die Stromanbieter Werte zwischen 207 Volt bis 253 Volt erlaubt! Daher sollte im Sinne der Betriebssicherheit heute bei solchen Verstärkern grundsätzlich die Schalterstellung 240V gewählt werden. Beim Umschalten auf den kleineren Spannungswert würde sich zudem der Röhrenverschleiss erhöhen.

Es ist technisch zwar korrekt, dass sich durch den Betrieb an der höheren Netzspannung auch der Bias und der Sound verändern - in der Praxis spielen diese Änderungen (um rechnerisch 8,3%) jedoch überhaupt keine Rolle, da das Spannungsnetz ohnehin nicht so spannungsstabil ist, wie wir vielleicht meinen (siehe oben...) - Die daraus resultierenden Klangunterschiede sind so nuanciert, dass sie vom menschlichen Ohr praktisch nicht wahrnehmbar sind. Das haben auch die Blindtests belegt, welche Marshall seinerzeit extra wegen dieser Umstellung durchführte. Auch die Beibehaltung der Biaseinstellung ist absolut unbedenklich, sofern bei letzten Endstufenröhrenwechsel auch ein Abgleich gemacht wurde.

Welche Röhren kann ich einsetzen?

Niemals die Typenbezeichnungen der Röhren verwechseln. Wenn Dein Amp im Original mit EL34 bestückt ist, solltest Du auch gegen EL34 tauschen. Werden 5881 oder 6L6 Endröhren verwendet, setze ebenfalls den entsprechenden Typ ein. Auch wenn die Röhren vielleicht in den gleichen Sockel passen (wie z.B. die in diesem Beispiel), so werden verschiedene Typen innerhalb des Amps anders verschaltet - man kann die Röhren also nicht einfach gegeneinander tauschen - von der Tatsache, dass jeglicher Tausch von Endstufenröhren ohnehin auch einen Biasabgleich erfordert einmal ganz abgesehen...

Marshall setzt Röhren verschiedener Hersteller ein und selektiert die verwendeten Röhren darüberhinaus in einem aufwändigen Verfahren nach einer Vielzahl weiterer Kriterien, wie z.B. Verstärkungsfaktor und Mikrofonieverhalten der einzelnen Systeme bei extremen Signalpegelverhältnissen. Somit gibt es für jeden Verstärker und jede Position im Schaltkreis den genau passenden Röhrentyp. Dein Händler hat eine Tabelle, nach der er die passende Röhre für alle aktuellen Modelle bestimmen kann - und auch für ältere Modelle kann er Dir die passenden Röhren besorgen.

Wie betreibe ich einen 100 Watt Röhrenverstärker ohne Halfpower-Schaltung bzw. Pentode/Triode-Umschaltung mit 50 Watt?

Hinweis: Die hier geschilderte Vorgehensweise kann, sofern nicht korrekt umgesetzt, zu technischen Schäden am Verstärker führen. Umsetzung dieser Hinweise erfolgt auf eigene Gefahr. Jegliche Haftung für etwaige Schäden, welche in Folge dieser Hinweise entstehen, ist ausgeschlossen.

Um eine Halbierung der Leistung zu erreichen, kann man bei den meisten Marshall Amps, welche vier Endstufenröhren aufweisen, zwecks Halbierung der Leistung entweder die beiden äusseren, oder die beiden inneren Endstufenröhren entfernen.

WICHTIG: Dabei ändert sich die Anschlussimpedanz des Verstärkers!

An der 8 Ohm Wicklung des Ausgangsübertragers wird dann eine 16 Ohm Box angeschlossen - und eben nicht mehr, so wie eigentlich vorgesehen, eine Last von 8 Ohm.

Für ein Fullstack (bei Marshall hat das meist eine Gesamtimpedanz von 8 Ohm....) wird stattdessen die 4 Ohm Wicklung des Ausgangsübertragers benutzt.

Da solch eine Aktion wegen der Änderung der Impedanz und der damit verbundenen Gefahr, dass diese nicht korrekt angeschlossen wird, immer auch die Gefahr eines erhöhten Röhrenverschleisses bzw. eines Überschlages im Ausgangsübertrager und somit einen technischen Defekt zu Folge haben kann, empfehlen wir, Röhrenverstärker im Originalzustand zu belassen, zumal der Lautstärkeunterschied zwischen 50W und 100W wegen der logarithmischen Abhängigkeit von Lautstärke zur Leistung nicht so groß ausfällt, wie die meisten Musiker denken.

Grundsätzlich ist es besser, den Amp nach erfolgtem Umbau auf den 50 Watt Betrieb zumindest entsprechend anders zu beschriften...

Technischer Hintergrund:

In der Regel sollte man beim Halfpowerbetrieb (bzw. einem weggeschalteten oder herausgezogenem Röhrenpaar) den Impedanzwahlschalter am Verstärker auf die Hälfte der Gesamtimpedanz der an den Lautsprecherausgängen angeschlossenen Boxenkombination einstellen. Durch das Entfernen zweier Röhren wird die Quellimpedanz anodenseitig verdoppelt. In der Regel liegt die Quellimpedanz etwa beim vierfachen der Lastimpedanz - die wesentliche Aufgabe des Ausgangsübertragers ist genau diese Anpassung. Die Primärimpedanz des Ausgangsübertragers wird dabei über den Faktor der gewünschten Lastimpedanz (die der Lautsprecher...) und der Windungszahl berechnet.

Beispiel:

Werden bei einer Lastimpedanz von 16 Ohm (Marshall 1960A) und einer Primärimpedanz von 2KOhm (von Anode zu Anode - für vier Endstufenröhren) zwei der Röhren entfernt, so sollten die verbleibenden beiden Röhren an einer höheren Impedanz (von Anode zu Anode) laufen, da sie sonst deutlich stärker belastet und ausserhalb ihrer Parameter betrieben werden. Genauer bedeutet dies, dass die Primärimpedanz am Ausgangsübertrager auf 4KOhm verdoppelt werden muss, um für die beiden noch arbeitenden Endstufenröhren genau passend zu sein. Dazu gibt es zwei Wege: Entweder wird die Lastimpedanz auf 32 Ohm verdoppelt (was unpraktisch wäre, da noch eine Box benötigt und diese in Reihe geschaltet werden müsste...), oder man halbiert die Sekundärwicklung des Ausgangsübertragers auf die halbe Windungszahl – und genau das passiert ja bei der Umschaltung auf die 8 Ohm Wicklung.

Was muß ich beim Austausch von Endröhren beachten?

Beim Austausch von Endröhren sollte stets das komplette Endstufenmatch getauscht werden: Röhren des gleichen Fabrikates, die von ihren Kennliniendaten zueinander passen. Selbst wenn Kennliniendaten auf der Röhre angegeben sind (z.B. durch eine Farbkennung), ist dies kein ausreichender Anhaltspunkt, da diese Werte sich im Laufe der "Lebenszeit" einer Röhre verändern, und daher die alten doch nicht zu den neuen Röhren passen werden.

Ohne Einmessen (Biasabgleich und ggf. Brummabgleich) vom Fachmann dürfen Endröhren niemals ausgetauscht werden! Wird dies nicht beherzigt, so führt das zu schlechtem Sound, extremen Verschleisserscheinungen für die neuen Röhren und ggf. auch zu teuren Folgeschäden am Amp.

Das Röhren jeweils nur gegen den passenden Vergleichstyp getauscht werden dürfen, versteht sich wohl von selbst.

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