Lexikon

Lead
Definition:

Marshall gilt als der erste Hersteller, der die Verzerrung (engl: „distortion“) bewusst für die Soundgestaltung einsetzte.

Der englische Begriff „Overdrive“ steht für angezerrte und verzerrte Sounds. Sie werden manchmal auch als „Leadsounds“ bezeichnet, da sie im klassischen Rock‘n‘Roll fast ausschließlich für die Leadgitarre, also Soloparts, eingesetzt wurden. Für besonders stark verzerrte Klänge (bei Marshall oft mit „Overdrive 2“ bezeichnet) hat sich der Begriff „Lead“ etabliert. Einige Marshall-Modelle verfügen explizit über einen Leadkanal.

Die typischen Overdrive-Sounds wurden durch Übersteuerung von Röhren erreicht, indem etwa die Eingangsröhren ein sehr starkes Signal von der Gitarre, z.B. mittels Booster, bekommen. Solche Sounds sind heute auch mit anderen Technologien (Transistoren, Digitaltechnik) recht authentisch reproduzierbar.

Bei Marshall wird für die Kanalbezeichnung der verzerrten Kanäle der Begriff Overdrive (OD) bevorzugt, da dieser neutraler ist als „Lead“ oder „Crunch“. Dabei steht „OD1“ meist für den Kanal mit weniger Gain (Crunch) und „OD2“ für den Kanal mit mehr Gain (Lead).
Verzerrung ist nicht gleich Verzerrung - der Charakter der Übersteuerung spielt eine entscheidende Rolle für das Soundgefüge! Bei Marshall gleicht die Art der Verzerrung eher einer Klangkomposition: Welche Frequenzbereiche bei welcher Anschlagsstärke wie stark übersteuert werden, die Auswirkungen auf die Kompression und das Obertonverhalten, die Betonung einzelner Peaks und viele weitere Faktoren gehen in das Sounddesign mit ein. Die genauen Zutaten des Marshall-Sounds werden deshalb fast so streng gehütet wie das berühmte „Coca Cola“-Rezept.

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